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Landesarbeitsgemeinschaft Krebsberatungsstellen NRW informiert:

Kinder krebserkrankter Eltern brauchen Hilfe


Wenn Eltern schwer erkranken, bricht für ihre Kinder oft eine Welt zusammen. Ein Mensch, auf den sie bauen, dem sie vertrauen, dessen Stärke und Unterstützung sie brauchen, ist plötzlich selbst auf Hilfe angewiesen. Viele Kinder und Jugendliche sind mit dieser Situation heillos überfordert. „Wir können davon ausgehen, dass in Nordrhein-Westfalen derzeit mehr als 35.000 Kinder und Jugendliche durch die Krebserkrankung eines Elternteils betroffen sind. Krebs ist eine Familienangelegenheit. Die Kinder leiden mit und brauchen Hilfe“, erklärt Anne Grüter als Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft Krebsberatungsstellen NRW, die sich durch die finanzielle Unterstützung der „Aktion Lichtblicke e.V.“ dem Thema „Kinder krebskranker Eltern“ jetzt intensiv widmen kann.

Die moderne Medizin bietet für krebserkrankte Menschen eine Vielzahl von Behandlungsmöglichkeiten, viele Patienten leben deshalb heute lange mit einer Krebserkrankung. Neben körperlichen Einschränkungen und Belastungen haben sie mit sozialen und psychischen Begleiterscheinungen zu kämpfen. Außer der Krankheit selbst belasten Unsicherheit, bohrende Fragen, Sorgen um die Zukunft den Alltag. Zeitweilig nimmt die Erkrankung den Betroffenen die Möglichkeit, ihr Leben selbstbestimmt zu planen und zu führen. An Krebs erkrankte Menschen sind daher oft mit massiven Problemlagen konfrontiert. Dies gilt erst recht, wenn die Erkrankung im mittleren Lebensalter in Familien mit minderjährigen Kindern auftritt.

„Das ganze Leben gerät aus den Fugen.“ Diese Erfahrung beschreiben viele Betroffene. Die Menschen plagen sich mit tausend Fragen. „Wie geht das Leben weiter? Werde ich wieder arbeiten können? Können wir finanzielle Hilfen bekommen? Was wird aus unserer Familie? (Wie) Sage ich den Kindern, dass ich Krebs habe? Soll ich versuchen, den ´normalen´ Alltag aufrecht zu erhalten? Welche Rücksicht kann ich von meinen Kindern erwarten?“ Und natürlich beschäftigt eine erkrankte Mutter, einen erkrankten Vater die schmerzhafte Vorstellung, dass es vielleicht nicht möglich sein wird, den eigenen Kindern zur Seite zu stehen, bis sie erwachsen sind.

Die Eltern brauchen Hilfe - nicht nur bei der Bewältigung ihrer Erkrankung, sondern auch beim Umgang mit ihren Kindern. Und die Kinder brauchen Hilfe dabei, zu verstehen, was in ihrer Familie geschieht. „Heute wissen wir, dass nicht die Krebserkrankung eines Elternteils selbst, sondern die familiäre Lebensbewältigung maßgeblich über die Entwicklung der Kinder bestimmt,“ betont Frau Grüter.

Krebsberatungsstellen helfen betroffenen Eltern dabei, einen Weg im Umgang mit den Folgen der Krebserkrankung zu finden und die Kinder und Jugendlichen dabei angemessen einzubeziehen. Bei Bedarf vermitteln sie in spezialisierte Beratungseinrichtungen. Betroffene Familien sowie professionell oder persönlich Interessierte können auf der Internetseite http://www.lagkbs.de die Kontaktdaten der Krebsberatungsstelle in ihrer Nähe finden.

Die 23 Krebsberatungsstellen, die in der Landesarbeitsgemeinschaft Krebsberatungsstellen organisiert sind, verzeichnen ständig steigende Nachfrage durch Betroffene. Leider gibt es zugleich –trotz großer Bemühungen– weiterhin keinerlei gesicherte Finanzierung für die Beratungsarbeit. Im vergangenen Jahr mussten daher zwei weitere Beratungsstellen, "KIK" in Köln und "Lebe jetzt" in Viersen, den Beratungsbetrieb einstellen.

Gelsenkirchen, den 01.02.2016
Anne Grüter
Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft Krebsberatungsstellen NRW

 
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